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100ee Blog

Rege Diskussion um die Rolle der regionalen Wertschöpfung in 100ee-Regionen

18.06.2012Stefanie Rodermund

32 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Kommunen, Landkreisen, Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten auf dem 100ee-Workshop über die Bedeutung der regionalen Wertschöpfung bei der regionalen Energiewende. Eingeladen zum Workshop hatten das Projekt 100ee-Regionen gemeinsam mit dem Unternehmen ABO Wind.

Zunächst stellte Astrid Arentz vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten zur kommunalen Wertschöpfung vor. Anhand von 26 Wertschöpfungsketten im Bereich der Erneuerbaren Energien wurde die kommunale Wertschöpfung über bundesdeutsche Durchschnittswerte abgebildet.

Dabei zeigt sich, dass durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien einmalige Sondereffekte bei der Produktion und Errichtung der Anlagen entstehen. Genauso wichtig sind jedoch auch die dauerhaften wirtschaftlichen Effekte beim technischen Betrieb der Anlagen sowie bei der Betreibergesellschaft. Inwiefern letztlich diese Wertschöpfungsstufen tatsächlich der Region zu Gute kommen, hängt maßgeblich davon ab, ob sie von einheimischen Unternehmen erbracht werden. Neben den bundesweiten Studien gibt es bereits länderspezifische Untersuchungen. Auf regionaler Ebene werden gegenwärtig Wertschöpfungsberechnungen für den Kreis Steinfurt sowie die Stadt Bochum erstellt. Weitere Informationen finden Sie hier.

Doch welche Rolle spielen Argumente zur regionalen Wertschöpfung in der politischen Auseinandersetzung vor Ort? Cord Hoppenbrock machte darauf aufmerksam, dass auch die Berechnung  der regionalen Wertschöpfung vielfältige Bewertungsfragen offen lässt: So werden häufig nur die Nettoeffekte ausgewiesen, aber nicht die "unerwünschten" Nebenfolgen vom Ausbau der Erneuerbaren Energien einberechnet (z.B. steigende Pachtpreise für Ackerland, die den ökologischen Landbau erschweren, Wegfall von Arbeitsplätzen in der konventionellen Energiewirtschaft). Zu entscheiden bleibt, inwiefern Wertschöpfung in Deutschland durch die Verwendung von deutschen PV-Modulen zu Lasten der Rentabilität von regionalen Projekten umgesetzt sollten, wie die Regionsgrenzen sinnvoll gezogen und wie Verteilungsfragen vor Ort gelöst werden. Der Vorteil der Argumentation über die regionale Wertschöpfung liegt darin, dass sie zunächst von diesen Fragen abstrahiert. Jedoch besteht die Gefahr, dass es zu einer inhaltlichen Entleerung des Begriffs kommt - vergleichbar mit der Karriere des Nachhaltigkeitsbegriffs.

Regionale Wertschöpfung lässt sich nur durch unternehmerisches Engagement erschließen. Sönke Voigt von ABOWind stellte deshalb die Vor- und Nachteile verschiedener Gesellschaftsformen im Bereich der Windenergie aus betriebswirtschaftlicher Sicht vor. Dominierte in der Vergangenheit das Modell der GmbH & Co. KG, so erleben momentan Energiegenossenschaften einen starken Auftrieb. Dies liegt u.a. darin, dass Genossenschaften von der kostspieligen Prospektpflicht befreit sind. ABOWind hat mit der Bürgerwindaktie ein Produkt für Kleinanleger konzipiert, das eine hohe Flexibilität für Anleger erlaubt und die Risiken über mehrere Windparks streut.

Die Gründung der Energiegenossenschaft Odenwald ist eine der vielen Erfolgsgeschichten in den 100ee-Regionen. Durch die professionelle Unterstützung der örtlichen Volksbank konnten seit der Gründung im Jahr 2009 900 Genossen gewonnen und insgesamt 20. Mio. Euro investiert werden. Dabei ist zu betonen: die Maximierung der Rendite ist nicht das vorrangige Ziel der Genossenschaft, sondern die Realisierung einer Vielzahl von EE-Projekten zur Entwicklung der Region.

Ein Schlaglicht aus der Diskussion zum Schluss: Wertschöpfungsberechnungen sind sehr aufwendig. Hier gingen die Meinungen über Sinn und Zweck solcher Untersuchungen zwischen den Teilnehmern auseinander. Alle waren sich einig, dass eine überschlägige Ausweisung der ökonomischen Effekte für die Argumentation in der Region sehr hilfreich ist. Die konkrete Erhebung von Wertschöpfungsketten wird vielfach jedoch als nicht notwendig betrachtet, denn ausschlaggebend ist letztlich die betriebswirtschaftliche Rentabilität von einzelnen EE-Projekten. Dem stand die Auffassung entgegen, dass durch eine systematische Erhebung von Wertschöpfungsketten Lücken identifiziert und diese dann zielgerichtet geschlossen werden können.

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