Rurener – kleine, ländliche Gemeinden europaweit vernetzten

Rurener ist ein europäisches Netzwerk kleiner, ländlicher Gemeinden, die es sich zum Ziel gesetzt haben ihren Energieverbrauch und ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und stattdessen dezentrale erneuerbare Energiequellen zu nutzen. Mit diesem Ziel sollen außerdem CO2-Emissionen eingedämmt und regionale Wertschöpfung gefördert werden.

Rurener unterstützt seine Mitglieder-Gemeinden mit diesen Instrumenten und Methoden:

  • Entwicklung und Umsetzung von Energieaktionsplänen
  • Mentoring und Twinning-Programme zwischen lernenden und erfahrenden Gemeinden
  • Interessenbündelung und -vertretung ländlicher Gemeinden auf EU-Ebene

Rurener ist über das 100%RES Communities-Projekt in mehreren europäischen Ländern durch sogenannten nationalen „Rurener-Ablegern“ vertreten. Der deutsche nationale Rurener-Ableger ist seit Juni 1014 das 100% Erneuerbare-Energien-Regionen Netzwerk. Alle 100ee-Regionen mit einer Einwohnerzahl unter 15.000 Einwohnern können somit die Mitgliederangebote von Rurener in Anspruch nehmen.

100ee-Regionen- Netzwerk wird Deutscher Rurener Ableger

Interview mit Dr. Peter Moser: Erwartungen, Hoffnungen und Wünsche an die neue Zusammenarbeit

Am 28. Juni 2014, im Rahmen des jährlich stattfindenden Rurener-Events, unterzeichneten deENet e.V. und Rurener ihren Kooperationsvertrag. Damit wird das erfolgreiche Netzwerk „100ee-Regionen“ zum deutschen Rurener-Ableger. „Wir sind stolz, dass wir diesen Schritt nun endlich vollzogen haben“, sagt Dr. Peter Moser, Koordinator des derzeit vom Institut dezentrale Energietechnologien (IdE) und deENet koordinierten Netzwerkes „100ee-Regionen“. Versuche, ein deutsches Rurener zu reaktivieren hatte es mehrfach in der Vergangenheit gegeben. Dabei handelte es sich allerdings um kleinere Netzwerkinitiativen, die nie eine nennenswerte Sichtbarkeit auf deutscher Ebene erlangt hatten. Mit dem derzeit über 140 Regionen umfassenden 100ee-Regionen Netzwerk soll sich dies nun ändern.

Kürzlich sind die 100ee-Regionen über deENet e.V. dem europäischen Rurener-Netzwerk beigetreten. Welche Vorteile entstehen dadurch für beide Netzwerke?

Dr. Peter Moser: Zunächst einmal bedeutet diese Kooperation für das deutsche Netzwerk 100ee-Regionen eine direkte Anbindung an die europäische Ebene und damit die Möglichkeit, einen Erfahrungsaustausch anzukurbeln, den es so im nationalen Kontext nur punktuell gibt. Obwohl das 100ee-Netzwerk mit seinen 144 Mitgliedern bereits eine breite nationale Bewegung abbildet, bietet die Verbindung mit Rurener deutschen Kommunen die Chance ihr Profil auf der europäischen, internationaler Bühne zu schärfen und ihre Sichtbarkeit zu erhöhen.  Durch den unmittelbaren Erfahrungsaustausch und Dialog mit europäischen Partnern und Akteuren werden neue Fragestellungen für uns und unsere 100ee-Regionen aufgeworfen – Inspiration und kritische Rückfragen, die erst recht ein interkultureller Austausch ermöglichen kann. Auf der anderen Seite gewinnt das europäische Netzwerk Rurener durch unsere Zusammenarbeit einen starken, heterogenen Netzwerkpartner. Mit dabei in unserem Netzwerk sind eine Vielzahl von kleinen, ländlich geprägten Gemeinden, aber auch große Landkreise, regionale Verbünde und vereinzelt sogar Großstädte. Die ländlichen Gemeinden in unserem Netzwerk werden animiert, als Rurener-Gemeinde auf europäischer Ebene mitzuwirken. Darunter ist eine Vielzahl von besonders engagierten kommunalen Akteuren, die sich sicherlich gern aktiv auf europäischer Ebene einbringen werden.

Was bedeutet die Begründung der Kooperation für die deutschen 100ee-Regionen?
Wer darf mitmachen und wie?

Dr. Peter Moser: Nun ja, die Beitrittskriterien für Rurener stehen klar fest. Es gibt daher keine Eintrittskarte für alle 100ee-Regionen, sondern nur für die kleinen, ländlichen Kommunen darunter. Besonderheit dieser deutschen Kommunen in unserem Netzwerk ist, dass sie allesamt klar definierte Schlüsselakteure und Kümmerer (z.B. Bürgermeister, Verwaltungspersonen, oder gar ein kleines regionales Stadtwerk) aufweisen. Viele dieser Kommunen haben bereits weitreichende politische Beschlüsse zu 100%EE und Klimaschutzkonzepte auf den Weg gebracht. Die meisten von ihnen haben im Strombereich sogar schon über eine 100%ige Versorgung mit Erneuerbaren Energien übertroffen. Wir unterstützen sie nun darin weitere Maßnahmen zu stemmen, die ebenso erfolgreich und entschlossen die Herausforderungen Wärme und Mobilität adressieren. Diese Entwicklungsdynamiken können auf europäischer Ebene verbreitet werden und, ganz wichtig, frischen Rückenwind erhalten. Schlussendlich sind die Modelle der deutschen Energiewende und des 100ee-Netzwerks nicht das einzige Vorbild, sondern ganz im Gegenteil eine Initiative unter vielen im internationalen Raum. Hierfür kann das europäische Netzwerk Rurener eine geeignete Lehr- und Lernplattform sein.

Was wünschen Sie sich von Rurener als Netzwerk, das deutsche Regionen und Gemeinden auf europäischer Ebene vertritt?

Dr. Peter Moser: Ich würde mir wünschen, dass Rurener sich dafür einsetzt, kommunale Interessen und Bedürfnissen aus den verschiedenen europäischen Ländern zu bündeln und ihnen in Brüssel ein stärkeres Gewicht zu verleihen – eine besondere Unterstützung sollte hier auch Kommunen zuteilwerden, deren Heimatländer eine ungünstigere politische und wirtschaftliche Ausgangslage mit Hinblick auf Erneuerbare Energien aufweisen. Hierzu können regelmäßig stattfindende Rurener-Veranstaltungen, Austauschprozesse wie Workshops und dergleichen sowie Gespräche mit Parlamentariern einen großen Teil beitragen.  Hilfreich wäre es hier außerdem, würde Rurener in Zukunft auch finanzielle Mittel auftreiben, die den kleinen Kommunen die Anreise zu derartigen Treffen erleichtert.

Ansprechpartner

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